Dies ist die Lovestory eines Paares, das sich vor 63 Jahren auf der Bahnhofstrasse in Gerlafingen begegnete und am 4. Dezember 2025 die "Diamantene Hochzeit" feiern konnte. In der Ballade: "Dr Ängu vo dr Bahnhofschtross" von Hansruedi Jordi, wird die Story wiedergegeben.
An einem schönen Sommer-morgen begegnete ich auf dem Weg zum Bahnhof einer Engelsgestalt. Ich war damals 17 und auf dem Weg zur Arbeit. Sie, damals 20, und ebenfalls auf dem Weg zu ihrem Arbeitsort. Die traum-hafte Erscheinung kam vom Bahnhof her. Dort wo heute ein Aldi steht, erblickte ich sie auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Als Erstes fielen mir auf Distanz zwei sonnengebräunte, wunderschöne Beine auf. Dann trafen sich unsere Blicke und ich wusste: Davon hatte ich schon immer geträumt. Wie aber sollte ich sie ansprechen? Wenn wir uns begegneten hiess das für mich, dass ich nun den Zug verpasste wie schon oft. Dann musste ich mit dem Velo quasi dem Zug hinterher zur Arbeit radeln.
Es gab aber auch Tage, an welchen ich nicht zu spät dran war. Dann sah ich sie aus dem Zug aussteigen in den ich gerade einstieg. Es musste also auch möglich sein, die Sache umzudrehen, z.B. am Feierabend, wenn ich mit dem Zug ankam, in den sie nun einsteigen musste. Bild: Der Bahnhof in Gerlafingen um 1962
So blieb ich eines Abends sitzen und fand sie dann allein in einem Abteil vor und ich wagte es, sie anzusprechen. Sie erteilte mir zwar eine Abfuhr, aber immerhin erfuhr ich ihren Namen und ihren Arbeitsort, was mir später nützlich sein sollte.
Doch das Schicksal schlug hart zu: Ich verlor meinen Job und fand Arbeit im Welschland. Somit war der Traum, sie wieder zu sehen, vorerst ausgeträumt. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn - und man kann auch Glück haben. Als ich an einem Wochenende vom Welschland heimreiste, erblickte ich in der Menschenmenge - es war wieder auf einem Bahnhof - zwei braune Augen, die ich schon ein Leben lang zu kennen glaubte. Auch dieses mal kamen wir uns entgegen. Wir drehten uns beide verlegen um, zögerten einen Moment, trauten uns jedoch nicht, stehen zu bleiben. Mein Puls stieg auf 200. Ich hatte es verbockt. "Jetzt muss etwas geschehen"! so sagte ich mir.
"Mädi" arbeitete als Damencoifeuse. So viel wusste ich. Am folgenden Tag, es war ein Samstag, liess ich mir kurz vor Geschäftsschluss im Herrensalon die Haare schneiden und wartete danach vor dem Geschäft. Everardo, Mädi's Arbeitskollege, hatte sie natürlich schon vorgewarnt. Doch diesmal gab es kein Entkommen. Ich hatte an diesem Abend einen Gig als Pianist an einer Geburtstagsfeier, aber ich nahm Madeleine einfach mit in diese Gesellschaft und ich glaube, dass ich mich bei dieser Gelegenheit in ihr Herz hinein spielen konnte. Als die Party zuende ging wanderten wir gemeinsam durch die warme Nacht bis in die Morgenstunden und zum ersten Zug brachte ich sie auf den Bahnhof. Schon am nächsten Nachmittag trafen wir uns wieder und machten einen wunderschönen Spaziergang an den Entenweiher. Von diesem Moment an waren wir ein Paar. Dass wir es heute nach über 60 Jahren noch sind, ist das Verdienst meiner starken Magdalena, die auch in schwierigen Zeiten immer an uns glaubte.
All die Jahre ist uns das Glück treu geblieben. Nun sind wir ein altes Paar, unsere Kinder sind selbst glücklich verheiratet. Am 4. Dezember 2025 feierten wir unsere "Diamantene Hochzeit" bei guter Gesundheit, abgesehen von den üblichen Alterswehwehchen. Mehr Glück braucht der Mensch nicht. Wir wünschten uns, allen Menschen auf dieser Erde würde es so gut gehen.
Magdalena und Hansruedi
Die Ballade: