Dr Ängu vo dr Bahnhofschtross

Hansruedi Jordi hat den Mundart Song für seine Magdalena geschrieben anlässlich ihres 58. Hochzeitstages. Die Story dazu findest du weiter unten sowie in Jordi's Blog "Das Mädchen von der Bahnhofstrasse".

Das Mädchen von der Bahnhofstrasse

Story zum Song

Seit 58 Jahren sind wir nun verheiratet, meine Magdalena und ich. Wie war das vor über 60 Jahren an der Bahnhofstrasse? Ich sah "Mädi" zum ersten Mal an einem strahlenden Sommermorgen, als sie mir vom Bahnhof her entgegen kam. Da wo heute der Aldi steht, begegnete ich (17) einer Engelsgestalt. Sie war sonnengebräunt mit einem himmlischen Lächeln. Ich wusste instinktiv: Davon hatte ich schon immer geträumt. Doch wie sollte ich mit ihr ins Gespräch kommen? Sie war offensichtlich auf dem Weg zur Arbeit wie ich, nur in entgegengesetzter Richtung. Ich musste meinen Zug erreichen und sie kam gerade vom Bahnhof. Wenn wir uns kreuzten hiess das für mich: Ich verpasste den Zug wie schon so oft und musste dann mit dem Velo, quasi dem Zug hinterher, zur Arbeit fahren.

Es gab aber auch Tage, an welchen ich rechtzeitig am Bahnhof war. Dann sah ich sie aussteigen während ich einstieg. Es musste also auch möglich sein, die Begegnung umzukehren: Z.B. am Feierabend. Und richtig, ich beob-achtete, dass sie abends in den Zug einstieg, den  ich gerade verliess. So blieb ich eines Abends im Zug sitzen und fand sie dann allein in einem Abteil vor und wagte es, sie anzusprechen. Sie erteilte mir zwar eine ordentliche Abfuhr, aber immerhin erfuhr ich ihren Arbeitsort, was mir später nützlich sein sollte.

Das Schicksal schlug hart zu: Ich verlor meine Stelle und fand Arbeit im Welschland. Somit war der Traum, sie wieder zu sehen, für lange Zeit ausgeträumt. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Und man kann auch Glück haben, insbesondere in der Liebe. An einem Wochenende erblickte ich in der Menschenmenge - wieder auf einem Bahnhof - zwei braune Augen, die ich schon ein Leben lang zu kennen glaubte. Wir drehten uns beide kurz um, zögerten, trauten sich jedoch nicht, stehen zu bleiben. Dies war der Moment, als ich mir sagte: "Es muss etwas geschehen"!  "Mädi" arbeitete als Damencoifeuse. Da gab es aber auch eine Herrenabteilung. Am folgenden Tag liess ich mir kurz vor Feierabend die Haare schneiden und wartete danach vor dem Geschäft. Everardo, der Herrencoiffeur und Kollege von Mädi hatte sie natürlich schon vorgewarnt. Doch diesmal gab es kein Entkommen. Wir verbrachten den Abend zusammen und den ganzen folgenden Sonntag. Ab diesem Moment waren wir ein Paar. Dass wir es heute nach über 60 Jahren noch sind, ist das Verdienst meiner starken Magdalena, die auch in schwierigen Zeiten immer an uns glaubte.

Nun sind wir ein altes Ehepaar, unsere Kinder sind erwachsen und selbst glücklich verheiratet. Bald feiern wir die diamantene Hochzeit (60 Jahre) sofern uns die Gesundheit nicht im Stich lässt. Noch mehr Lebensqualität wäre "kitschig". Wir wünschten, allen Menschen würde es so gut gehen wie uns. 

                                                                              Magdalena und Hansruedi