Am 4. Dezember 2025 waren wir 60 Jahre verheiratet, meine Magdalena und ich. Vor 63 Jahren, an einem strahlenden Sommermorgen, begegnete ich auf der Bahnhofstrasse in Gerlafingen einer Engelsgestalt. Ich, damals 17, war auf dem Weg zum Bahnhof. Sie, damals 20, war ebenfalls auf dem Weg zur Arbeit und kam vom Bahnhof her. Wo heute ein Aldi steht, erblickte ich sie auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Als Erstes fielen mir ihre sonnenge-bräunten, wunderschönen Beine auf. Dann trafen sich unsere Blicke und ich wusste instinktiv: Davon hatte ich schon lange geträumt!
Doch wie sollte ich sie ansprechen? Ich war mit dem Velo unterwegs und sowieso schon zu spät dran. Vielleicht an einem Feierabend? Und dann ergab es sich, dass sie abends in den Zug einstieg, den ich gerade verlassen wollte. Ich stieg rasch wieder ein und fand sie dann allein in einem Abteil sitzen. Ich setzte mich zu ihr und sprach sie an. Sie erteilte mir zwar eine zünftige Abfuhr, aber ich erfuhr immerhin ihren Namen und den Arbeitsort, was mir später nützlich sein sollte.
Lange Zeit sahen wir uns nicht mehr, denn ich hatte meine Lehrstelle verloren und Arbeit im Welschland gefunden. Aus der Traum? Nein – als ich an einem Wochenende nach Hause reiste, begegneten wir uns auf dem Bahnhof in Solothurn. Wir gingen auf einander zu, trauten uns aber nicht, stehen zu bleiben.
Bahnhof Gerlafingen 60-er Jahre
Ich war wütend auf mich selbst, denn ich hatte es verbockt. «Jetzt muss etwas geschehen!» schwor ich mir. Magdalena arbeitete als Coiffeuse in Gerlafingen. Am nächsten Morgen, einem Samstag, liess ich mir in der Herrenabteiluntg die Haare schneiden und wartete danach vor dem Geschäft. Everardo, ihr Kollege, hatte sie natürlich vorgewarnt aber diesmal gab es kein Entrinnen. Aber es gab ein neues Problem. Ich hatte an diesem Abend einen Gig als Pianist an einer Geburtstagsparty. Dann kam mir der rettende Einfall: Ich nahm sie einfach mit an diese Feier und ich bin fast sicher, dass ich mich an diesem Abend in ihr Herz hinein spielen konnte.
Später, der letzte Zug war schon weg, zogen wir zusammen hand in hand durch die lauwarme Nacht und zum ersten Zug um 05.00 Uhr früh brachte ich sie auf den Bahnhof. Schon am folgenden Nachmittag trafen wir uns erneut und machten einen wunderbaren Spaziergang zum Enten- weiher. Von diesem Moment an waren wir ein Paar. Dass wir es heute nach 63 Jahren noch sind, ist das Verdienst meiner starken Magdalena, die auch in schwierigen Zeiten immer an uns glaubte. Nun sind unsere Kinder erwachsen und längst selbst glücklich verheiratet. Heute feiern wir die Diamantene Hochzeit und abgesehen von den üblichen Altersbeschwerden geht es uns gut. Wir wünschten uns, allen Menschen auf dieser Erde würde es so gut gehen.
Magdalena und Hansruedi
Dr Ängu vo dr Bahnhofschtross
Ballade für Magdalena

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Etter Sam (Freitag, 05 Dezember 2025 17:52)
Das waren die goldenen 60iger.
Bilbet gsund, und löt‘s euch mit Musig und vilem Schöne lo wohl si.
Hansruedi (Freitag, 05 Dezember 2025 19:46)
Herzlichen Dank lieber Samuel, lass es dir auch gut gehen und hab schöne Festtage und einen guten Rutsch.
Hansruedi Jordi (Sonntag, 07 Dezember 2025 18:53)
Lieber sam, ich weiss z.Z. nicht wie ich dich einordnen soll. Bitte entschuldige, dass ich gerade nicht weiss wer du bist. Hilfst du mir ein wenig? Liebe Grüsse HR