Die Rethorik der Unverbesserlichen

Es scheint eine neue Rethorik zu geben. Zum Beispiel in Talkshows. Mir fällt zusehnds auf, dass sich Politiker nicht mehr damit begnügen zu sprechen und ihre Standpunkte darzulegen. Sie wollen lange und allein sprechen. Um das Wort zu erlangen, sprechen sie der gerade ausführenden Person in den Satz hinein. Das ist nicht neu. Neu scheint mir, dass sie es als Sport anzusehen scheinen, so lange parallel zum Anderen zu sprechen, bis dieser aufgibt und schweigt. Es ist wie ein Zweikampf. Während dieser Parallelphase versteht niemand mehr, was gesagt wird und die ModeratorInnen sehen sich meist überfordert, zu intervenieren. 

 

Die Schlimmsten dieser Art sehe ich derzeit in den Personen von Frauke Petry, früher AFD, und Roger Köppel, Nationalrat der Schweiz und Herausgeber der Weltwoche. Beide sind sehr intelligent, haben einen riesigen Wortschatz und eine enorme Sprachgewandtheit. Das Tempo und die Satzdauer sind derart gewaltig, dass ich mich frage, ob sie eines Tages daran ersticken werden weil sie nicht zum Atmen kommen. Während den Sätzen, die keinen Unterbruch dulden, werden keine Zwischenräume gelassen um dem Gegner keine Möglichkeit zum Einsteigen zu geben. Wenn es dann dem Moderator doch zu bunt wird und er interveniert, kommt der vehemente Ausspruch: "Lassen sie mich ausreden". Dabei war er/sie es, der/die den Vorredner nicht ausreden liess. Dieser Vorgang wiederholt sich ins Unermessliche und ich habe oft festgestellt, dass Sätze mehrmals wiederholt werden, nur um die Wortführung nicht zu verlieren, obwohl man offenbar nicht mehr wusste was man eigentlich sagen wollte.

 

Die anständigen Politiker halten sich an die Regeln des Anstandes und warten, bis sie das Wort erteilt bekommen oder zumindest eine Lücke wahrnehmen können. Mir scheint, dass oft gerade jene die geringeren Chancen haben, welche den Anstand wahren. Das ist traurig. Diese Rethorik und Diskussionsart bezeichne ich als krankhaft. Bei Köppel stelle ausserdem Gesten fest, die auf einen wahren Tick schliessen lassen. Er richtet alle paar Sekunden seine Brille auf der Nase. Man sollte meinen, dass sich ein Mann in seiner Position eine gut sitzende Brille leisten kann. Bemerkenswert ist, dass die beiden bis jetzt beschriebenen PolitikerInnen  dem rechtspopulistischen Feld angehören.

Die SVP in der Schweiz sieht sich seit Langem als Opfer. Das würde den Verdacht auf einen Minderwertigkeitskomplex zulassen. Zur Schau gestellte Sicherheit bedeutet oft das Gegenteil. Eine amüsante Art, unbremsbare Politiker zu necken, hat der Talkmaster Markus Lanz entwickelt. Er stellt ihnen ganz unverhofft die Frage: „Wissen Sie noch, welche Frage ich Ihnen gestellt habe?“

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