Hört auf eure Frauen, sonst kann es teuer werden.

Die Aquanaut OC900 war ein Stahlschiff, das ich im Internet entdeckt hatte. Ein Bijou mit dem Namen "Evergreen", in das ich mich am Bildschirm Hals über Kopf verliebte. Es kam so: Nachdem ich meinen 15-Meter Stahltrawler verkauft hatte, betrieben mein Sohn und ich ein Offshore-Boot zum Wakeborden. Wir hatten ziehmliches Pech damit. Schon beim Kauf und auch später (Motorschaden). Ich sehnte mich erneut nach einem Boot, auf dem man übernachten konnte. Und schon war ich ein Suchender im Internet und fand ein Stahlschiff mit einem 4-Zylinder Dieselmotor. Klein aber fein dachte ich und wir fuhren nach Kiel um es zu besichtigen. Es war ein Kauf von privat zu privat. Wir überführten es an den Murtensee, wo ich einen Platz gemietet hatte. Es standen einige Renovationsarbeiten an. Meine Frau Madeleine warnte mich, sie sei dann nicht immer dabei, wenn ich aufs Boot gehen wolle. Sie habe jetzt einen Garten zu pflegen und überhaupt könne es niemals mehr dasselbe sein wie vorher mit dem grossen Trawler "Magdalena", der für uns quasi ein schwimmendes Ferienhaus darstellte. 

 

Ich dachte: Kein Problem, dann gehe ich halt ab und zu alleine aufs Boot und pflege ein bischen die männliche Einsamkeit nach meinem oft ziterten Philosophiemotto: "Einsamer Reiter - reite - reite weiter - reite".  Den Satz zelebrierte ich immer am Ende eines Wildwestfilms beim Fernsehabend mit der Familie, wenn der Held zum musikalischen Abspann einsam in den Sonnenuntergang ritt. Und wir lachten jeweils ausgiebig darüber. Wie man sich täuschen kann! Ein paar mal ging ich allein aufs Boot, tuckerte gemütlich den See hinunter nach Murten, legte im Yachthafen an und trank einen Espresso im Hafenbeizli. Langweilig! Dann tuckerte ich zurück in den Hafen Faoug und vertäute das Schiff. Was? erst 16.00 Uhr? Eigentlich wollte ich hier übernachten, doch alleine kochen und essen war nicht lustig. Ich musste feststellen, dass ich doch kein einsamer Reiter bin. So machte ich mich jeweils auf den Heimweg und startete den Grill im Garten bei Madeleine. Das wiederholte sich ein paar mal. In 5 Jahren fanden gerade mal zwei Übernachtungen statt und jedes mal war es in der kleinen Kajüte so heiss, dass ich mit dem Schlafsack auf's Achterdeck zügeln musste, wo mich dann die Mücken unter Stechangriff nahmen. 

 

Das Schiff war ein kleines Bijou aber nach dem Luxus auf dem Trawler, fühlten wir uns sehr eingeschränkt. Verkaufen war jetzt angesagt. Jedoch war der Euro inzwischen so tief gesunken, dass der Verlust immer grösser wurde. Es dauerte 3 Jahre, bis ich einen Käufer finden konnte. Inzwischen waren wieder Sanierungsarbeiten notwendig geworden um es überhaupt attraktiv anbieten zu können. Mit einem Riesenverlust gelang es dann doch noch, das Objekt zu veräussern. Hätte ich nur auf meine Frau gehört. 

 

Nun habe ich dan Bootssport nach 35 Jahren endgültig an den Nagel gehängt. Es hat viele Vorteile: Kein Schiff schruppen mehr, kein Unterhalt, keine Reparaturen, keine Hafengebühren, kein Reiseaufwand und kein Verlust mehr. In unseren Schiffen hatten wir eine Messingplatte montiert, worauf stand: "Unser Boot ist ein grosses Loch im Wasser, in das wir all unser Geld versenken!"

 

Hier ein paar Eindrücke unseres Bijous "Evergreen".

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0