Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Ich war spät dran. Von der Sekundarschule in Kirchberg, wo ich Musik unterrichtete nach Bern zu einem Zahnarzttermin. Die Zeit für Fahrt, Parkhaus und Fussweg schien mir sehr knapp. Ich war schon kurz vor der Autobahn Lyssach. Kurz entschlossen bog ich nach der Emmenbrücke rechtrs ab und eilte zum Ticketschalter des Bahnhofs Kirchberg der BLS Bahn. Ich sagte: "Ich habe einen Zahnarzttermin in Bern um 17.00 Uhr. Wie ist die Zugsverbindung und erreiche ich Bern rechtzeitig vor meinem Termin? Die Dame sagte: "Kein Problem. Sie müssen in Burgdorf umsteigen. Sie haben direkten Anschluss an die SBB von Zürich nach Bern". Ich kaufte ein Ticket und liess mein Auto vor dem Bahnhof parkiert stehen. In Burgdorf hielt der Zug bei einem Bahnübergang an. Die Autos aus beiden Fahrtrichtungen bildeten eine Schlange. Es dauerte sehr lange bis er weiter fuhr. Ich war wie auf Nadeln, denn der SBB-Zug in Burgdorf war in 5 Minuten angesagt. Endlich ruckte die Bahn langsam an. In Burgdorf musste ich aussteigen, über die Strasse eilen und durch die Unterführung auf den Perron hochsteigen wo mein Anschlusszug stehen sollte. Ich keuchte atemlos die Treppe hoch und sah gerade noch den letzten Wagen - von hinten in ca. 50 Meter Entfernung. Höhnisch lachte mir das Heck entgegen. Ich begab mich an den Schalter im Bahnhof Burgdorf und erzählte mein Erlebnis. Der Beamte sagte, das sei Pech. Ich erkundigte mich nach dem nächsten Zug. Darauf hin rief ich meinen Zahnarzt an und fragte ihn, ob er mich später noch bedienen könne. Dieser verneinte. Er bedaure, er habe einen Termin auswärts. Zurück am Schalter verlangte ich mein Geld für die Fahrkarte zurück. Ich müsse die Forderung dort geltend machen, wo ich sie gelöst hätte, wurde ich belehrt. Ich war so was von sauer. Hätte ich den Weg mit dem Auto fortgesetzt, wäre ich vielleicht mit etwas Verspätung beim Zahnarzt auf den Stuhl gekommen, aber mein Zahn wäre jetzt repariert. Ich nahm den nächsten Zug zurück nach Kirchberg und traf noch dieselbe Dame an, die mich beraten hatte. Ich erzählte meine Geschichte und verlangte mein Ticketgeld zurück. Sie müsse mit dem Chef telefonieren, sagte sie. Sie kam zurück und zahlte mir einen Teilbetrag aus. Ich stutzte und sagte, ich hätte mehr bezahlt. Die Dame erklärte mir geduldig: "Ja, Sie haben ja die Fahrt von Kirchberg nach Burgdorf und zurück in Anspruch genommen. Wir erstatten Ihnen die Strecke Burgdorf Bern zurück. Ich erwiederte: Auf Grund Ihrer Beratung und dem Versprechen, dass ich alle Anschlüsse mühelos erreichen könne, sei die Bahn haftbar für alle meine Auslagen und dies bedeute den vollen Betrag. Sie telefonierte nochmals mit ihrem Chef und blieb anschliessend bei ihrer Begründung, ich hätte ihre Dienste zum Teil genutzt.

Ich argumentierte, die Bahn habe mich ja mit einem falschen Versprechen nach Burgdorf gebracht und zurück hätte ich ja kaum zu Fuss laufen können. Ich sagte abschliessend: "Ich verlasse diesen Raum erst wenn ich mein ganzes Fahrgeld in der Hand habe. Ansonsten vcrrechne ich der Bahn zusätzlich meine verlorene Zeit und die Kosten für schriftliche Umtriebe, zusätzlich der Anwaltskosten. Nach einem weiteren Telefonat mit dem Chef zählte mir die Dame den vollen Ticketbetrag in die Hand aus und ich verliess den Bahnhof Kirchberg, zwar wütend aber doch irgendwie befriedigt über meinen Erfolg. Ich kann ganz schön hartnäckig sein wie man sieht. Man kann sich nicht alles gefallen lassen - oder ? Finden Sie, dies sei eine schräge Geschichte ? Wenn ja, verstehe ich Sie voll und ganz. HRJ

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