Lebenslänglich im Knast

Jeden Morgen von Montag bis Freitag besuche ich Kaya in ihrem Gefängnis. Ich bringe ihr ein paar Erdnüsschen, die sie über alles liebt. Der Papagei eines Bekannten - oder sollte ich sagen die Papageiin - oder die Mammagei ? Nun - sie ist jedenfalls eine Sie. Zur Zeit ist der Besitzer ferienhalber abwesend und ich bin der einzige Kontakt einmal täglich für ein paar Minuten. Kaya's Käfig ist zwar nicht gerade klein und entspricht absolut den Tierschutzvorschriften, aber wenn man einen Vergleich anstellt, entspricht der Rauminhalt etwa einem Badezimmer von uns Menschen. Da ein Papagei 40 bis 50 Jahre alt wird, stelle ich mir immer vor, ich wäre lebenslänglich in einem Badezimmer eingesperrt. Da ein Papagei Flügel hat, ist es anzunehmen, dass er auch gerne fliegen möchte. Das ist aber in den meisten gängigen Käfigen unmöglich. Doch für eine Volière mit Flugmöglichkeit braucht es eine Grösse, die weit über das Tierschutzgesetz hinaus geht. Ein weiteres Problem ist die Einsamkeit. Ich merke genau, wenn Kaya mit mir unzufrieden ist. Manchmal, wenn ich erst am frühen Nachmittag auftauche, bestraft sie mich. Sie nimmt meine Erdnuss, schmeisst sie dann zu Boden oder lehnt sie erst einmal ab. Erdnüsse werden übrigens nicht im Übermass zu füttern empfohlen weil sie zu fetthaltig sind. Gegen das Alleinsein würde eine Partnerin helfen, doch dies ist in einem gewissen Alter nicht mehr möglich. Zoologen sagen, würde man Kaya einen Lebenspartner zumuten - sie würden sich gegenseitig zerhacken sprich töten. Somit gibt es kein Rezept, dem einsamen Vogel das Leben zu verschönern. HRJ.

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