Zwickmühlen

6.1.2018 Ueli war 2 Wochen in Adelboden und hat Pfüdi mitgenommen. Gestern war er wegen schlechtem Wetter wieder zuhause und ich holte das Hündchen ab zum Gassi gehen. Es war mühsam mit ihm. Alle 20 Meter blieb er stehen und wollte zurück zu seinem Herrchen. Er hat sich wohl ein bischen von mir entwöhnt. In der Zwischenzeit hatte ich nur Kaya, die Papageiin zu versorgen. Ich glaube, ich habe schon mehrmals mein Zwickmühlendasein beschrieben, d.h. Situationen, wo ich aus Solidarität zu Mitmenschen nicht das tun oder lassen konnte, was meinem Gerechtigkeitsempfinden entsprach.

In einer meiner Jazzbands stand im Juni ein Gig im Bären Biglen an. Unser Bandadministrator hatte einen Vertrag unterzeichnet mit absolut einseitigen Bedingungen. Die zwei schlimmsten Artikel: „Getränke und Verpflegung gehen zu Lasten der Musiker und es gibt keine Gage sondern nur ein „Hutgeld“. Als die Mitmusiker diese Bedingungen erfuhren, hagelte es Kritik. Es war bis heute der parasitärste Vertrag eines Wirtes. Man diskutierte, was unternommen werden sollte. Für mich gab es nur ein Vorgehen: aus dem Vertrag zurücktreten und diesen als „nichtig“ erklären. Natürlich ist es in einer Band nicht anders als im Nationalrat. Sieben Bandmitglieder – sieben Meinungen: Ideen wie: Spielen mit der Faust im Sack, Nachverhandlungen führen, Vertrag als „nichtig“ erklären etc. Jazz sollte man nur mit gutem Gefühl machen. Wie schon so oft war ich in der Zwickmühle meiner Gefühle. Eigentlich sollte ich meine Mitarbeit konsequent verweigern, aber einen Ersatz für mich zu finden bei „Null Gage“ ist fast unmöglich und wäre gegenüber den Kollegen unsolidarisch.

 

Es geht ja um das Prinzip: Wenn ein Wirt mit uns ein Geschäft macht ist es ein kommerzieller Anlass und mit solchen einseitigen Bedingungen fühle ich mich ausgenutzt. Der Wirt bietet auf seiner Homepage Kultur-Dinners zu hohen Preisen an und nutzt die Spiellust der Musiker aus. Ich nehme mir strikte vor, mehr auf meine Prinzipien zu achten und nur das zu machen, was Spass macht. Wir haben dann den Gig im Bären abgesagt, nachdem ich den Kollegen gesagt hatte, ich stünde für diesen Auftritt nicht zur Verfügung. Die Reaktion des Bärenwirtes: Keine. 

 

Einen Monat später rief mich ein Freund an und sagte, er habe vom Bären Biglen eine Anfrage erhalten, ob er eine Band zusammenstellen könne. Es sei eine ausgefallen. Er suche nun noch einen Trompeter. Ich musste gleich lachen. Ich konnte da unmöglich mitmachen, obwohl die Besetzung interessant gewesen wäre. Da ich in der anderen Band dafür plädiert hatte, unter keinen Umständen dort zu spielen, musste ich ihm absagen. Der Gipfel: Der Ersatzband wurden die Getränke offeriert. HRJ

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