Unser grösstes Feizeitprojekt

Mein eindrücklichstes Erlebniss war 1988 der Bau unserer 15-Meter-Stahlyacht "Magdalena IV" und die Überführung von Holland an den Neuenburgersee nach 14 Monaten Bauzeit und ich muss gestehen, das Projekt war schon ein wenig grössenwahnsinnig. Aber ich bin nun mal ein absoluter Schiffsfan. Nachdem ich es geschafft hatte, in einen grösseren Bootsplatz zu wechseln, konnte der Auftrag an die Werft endlich erteilt werden. Einem Segler im Hafen Portalban hatte ich mehrmals zugeschaut, wie er sein Segelboot mühsam in den Platz manöverierte. Dabei verriet sein harscher Umgang mit Frau und Kindern ein eher patriachalisches Verhältnis. Ich recherchierte die Adresse und rief ihn an. Ich sagte, dass ich der Ansicht sei, er habe einen zu grossen Platz für sein Boot und ob er in nächster Zeit vorhabe, ein grösseres anzuschaffen. Ansonsten sei ich bereit, mit ihm den Platz zu tauschen. Das Ansinnen war gewagt. Ich musste riskieren, dass der Macho sich sowohl in seiner Ehre als Mann sowie als Segler gekränkt fühlen würde. Jedoch - er ging darauf ein und knurrte: „Ich gebe ihnen Bescheid“. Nach drei Monaten gab er seine Einwilligung und schnauzte: „Ich will aber keine Umtriebe und die Leiter, die sie auf ihrem Boot haben, will ich dazu haben!“ Aber sicher doch, ist geschenkt. Somit konnte ich mit dem Hafenbüro die Vertragsänderung in die Wege leiten.

Auch in finanzieller Hinsicht war das Projekt  etwas grössenwahnsinnig. Ich hatte das Schiff entworfen. die Werft hatte es gezeichnet und der Bau war offeriert und geplant. Aber ich hatte das Geld bei weitem nicht zusammen. Es gibt Schiffshypotheken, aber nur für Berufsschiffe z.B. für die gewerbliche Rheinschifffahrt. Private Yachten müssen bar und z.T. im voraus bezahlt werden. Bei Bauprojekten (das sind Schiffe, die man nicht ab Stange kaufen kann) ist es üblich, das Geld in mehreren Tranchen zu leisten: (1) Bei der Kiellegung, (2) bei Fertigstellung des Kaskos, (3) bei Fertigstellung der Holzarbeiten und (4) vor der Auslieferung nach Abnahme. Nun, es ist immer gut, wenn man gute Freunde hat, die eine Bürgschaft zu leisten bereit sind. So bekam ich für den fehlenden Betrag einen Zusatzkredit vom Bankverein Bümpliz, den ich innert zwei Jahren ablöste.

 

Der neue Bootsplatz hatte die Masse von 5 x 13 Meter. Der erste Werftbesuch in Holland nach Fertigstellung des Kaskos war überwältigend. Der Schiffsrohbau stand in einer Halle und wenn die Menschen darunter standen, reichten sie gerade knapp über die Wasserlinie. Mädi sagte: "Dieses Schiff passt auf keinen Fall in unseren Bootsplatz!“ Dies behauptete sie so vehement, dass ich nach der Heimreise mit ihr im Schlauchboot die Distanz zwischen den Pfosten nachmessen musste um sie zu beruhigen. Das Schiff hatte laut Bauplan die Masse: 14.70 Meter x 4.85 Meter. Von der Breite her passte es also knapp hinein. Das Hafenreglement erlaubte eine Überlänge von 1.5 Meter.

Nach einer Bauzeit von 14 Monaten konnte man den Transport planen. Die Überführung passierte über den Rhein. Ein pensionierter Kapitän und seine Frau brachten das Schiff nach Schweizerhalle. Mit einem grossen Industriekran wurde es auf ein sogenanntes Kesselfahrzeug gesetzt. Dann ging es über den Hauensteinpass durch die Klus Richtung Solothurn. In Niederbipp mussten zwei Männer die Fahrleitung der Bahn mit Stangen nach oben drücken. Als der Kesseltransporter mit dem Schiff mitten auf den Geleisen stand, hubte es von Solothurn her. Oh Schreck - das "Bipperlisi" kommt! Der Zug musste anhalten bis unser Manöver beendet war. In Solothurn wurde der alte Bahnübergang für 20 Minuten geöffnet, als gerade keine Züge verkehrten. Weiter ging es über Lohn-Ammansegg nach Schönbühl-Urtenen, dann durch das Seeland nach Gampelen und über die Zihlbrücke nach Pont de Thielle. Man nennt dies die Versorgungsroute I. Die Autobahn konnten wir nicht nutzen weil die Durchfahrtshöhe unter den Brücken mit 4.40 m zu tief war.

Dem Spezial-Konvoi voraus fuhr ein Fahrzeug mit Blinklicht der Transportfirma. Daraus wurden dem Chauffeur eventuelle Hindernisse per Funk gemeldet. Polizeifahrzeuge eskortierten uns, hielten den Gegenverkehr an und drängten die Autos an den Strassenrand wo sie warten mussten. An den Kantonsgrenzen wechselten die Eskorten sich ab. Wir fuhren durch die Kantone: Baselland, Solothurn, Bern und Neuenburg. Die Neuenburger hatte ich nicht informiert, da sich die Grenze auf der Brücke in Thielle befindet. Es blieben nur noch 100 Meter bis zur Einwasserungsstelle und ich ging davon aus, dass dies niemandem auffallen würde.

Schon Monate vor dem Termin hatte ich mit dem Vorarbeiter der Baufirma Loosli in Thielle vereinbart, dass wir auf ihrem Gelände mit dem Pneukran einwassern würden. Als ich ihn von unterwegs anrief, sagte der Mann, er habe es vergessen aber der Platz sei frei. Ein Telefon von unterwegs an die Kranfirma ergab ein ähnliches Resultat: Man habe keine Kranreservierung notiert und es stünde nur gerade ein Zwanzig-Tonnen-Kran zur Verfügung (Leergewicht des Schiffes: 25 Tonnen). Wir mussten es halt so wagen. Der Kesseltransporter fuhr bis nach Thielle und am nächsten Morgen um 07.00 Uhr kam der Pneukran. Während des Einwasserns kam der CEO der Baufirma und fragte in herrschendem Ton, was wir hier täten. „Wir wassern dieses Schiff ein“ sagte ich. Er begehrte auf bis ich sagte: „Hören sie, ich darf mich Ihnen vielleicht vorstellen und ich hatte schon vor 3 Monaten angefragt für diese Aktion und habe die Erlaubnis bekommen. Er wollte natürlich den Namen des Vorarbeiters wissen. Ich nehme an, dieser bekam einen Zusammenschiss. Na ja, es kann nicht immer alles reibungslos klappen. Ich brachte ihm später eine Kiste Bier vorbei. Das Schiff landete jedenfalls sachte im Wasser und wir fuhren über den Neuenburgersee nach Portalban in unseren Bootsplatz. HRJ

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