Tolstoi und die serbische Grenze

Fortsetzung von "Utopie" vom 12.12.2018: "Krieg und Frieden" - so heisst der Roman von Leo Nikolajewitsch Tolstoi und in diesen zwei Worten verbirgt sich eventuell die Lösung des Flüchtlingsproblems. Vielleicht schaffen wir es dereinst, in allen kriegführenden Ländern die Diktatoren zum Teufel zu jagen und stabile politische Verhältnisse zu schaffen. Dann müssten echte Demokratieen aufgebaut werden, die Wirtschaft auf vernünftige und sozialverträgliche Beine gestellt werden, dem Rohstoffraubbau, der Korruption, der Spekulation entgegengetreten und die Waffenlieferungen global gestoppt werden und, und, und. Dann würde aus einer Utopie vielleicht eine reelle Möglichkeit, keine Flüchtlinge mehr zu generieren, denn wir sind die Konstrukteure des Flüchtlingsproblems. Wir - der Westen, haben es geschaffen und heute wird uns dafür die Rechnung präsentiert.

 

Zitate: 3000 Menschen sind in der Nacht an der serbisch-kroatischen Grenze angekommen, in Slowenien warten weitere Tausende Flüchtlinge auf ihre Weiterreise nach Norden. Morgen setzen sich die betroffenen Staaten in Brüssel an einen Tisch. Die Vorzeichen sind nicht gut. Die "Politik des Durchwinkens" auf der Balkanroute soll ein Ende haben, fordert EU-Kommissionschef Jean Claude Juncker.

"Flüchtlinge müssen auf dem gesamten westlichen Balkan auf menschliche Weise behandelt werden, um eine humanitäre Katastrophe in Europa zu verhindern", heißt es in einem 16-Punkte-Plan. Derweil hat Ungarn seine Landesgrenzen mit Stacheldraht geschlossen.

 

08.11.2015 Deutschlandfunk, Bericht Von Rupert Waldmüller:

In Presevo an der mazedonisch-serbischen Grenze kommen jeden Tag tausende Menschen aus Mazedonien und Griechenland an. Sie wollen nach Westeuropa. Um ihrem Ziel näher zu kommen, müssen die Flüchtlinge sich in Presevo registrieren. Doch dafür müssen sie zwei bis drei Tage anstehen. Alle wollen weiter nach Westeuropa, am liebsten nach Deutschland, Schweden, Belgien oder die Niederlande. Plötzlich eskaliert ein Streit in der Masse. Zwei Flüchtlinge schlagen aufeinander ein, die Menge reißt auseinander, die Polizei schreitet ein. Die Nerven liegen blank nach Tagen auf der Flucht und im Regen. Besonders schlimm war es in Griechenland, berichtet ein Afgane. Die Polizisten haben uns oft geschlagen. Die Serbischen und die Mazedonischen waren sehr gut zu uns. Sie haben uns willkommen geheißen. Ende Zitate. HRJ

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