Gutmenschen und die roten Waldameisen

In letzter Zeit ist mir oft das Wort "Gutmensch" aufgefallen. Früher habe ich das nie wahrgenommen. Man sprach von "guten Menschen" aber nicht von "Gutmenschen". Die beiden Begriffe haben einen total unterschiedlichen Touch. Wir wissen alle, was ein guter Mensch ist. Z.B. Schwester Theresa, Mahatma Gandhi etc. Bei ihnen kommt das Wohl der Anderen vor dem eigenen Vorteil. Es gibt auch Altruisten in der modernen Zeit. Multireiche, die den grössten Teil ihres Vermögens für eine bessere Welt zur Verfügung stellen. Der Begriff "Gutmensch" ist jedoch negativ behaftet.

 

Gestern hatte ich einen Auftritt mit einer meiner Jazzbands. In einer Band ist man in den Pausen innert wenigen Minuten bei den Witzen. Fällt der Begriff "Flüchtlinge" ist das Wort „Gutmenschen“ nicht mehr weit. Was ist denn verkehrt an einem guten Menschen? Allgemeinplätze: „das sind gar nicht echte Flüchtlinge", "es kommen ja nur junge Männer". Ja was ist verkehrt daran? Es sind logischerweise die jungen Männer, die den Mut aufbringen, ihre Heimat zu verlassen, eine bessere Welt ohne Krieg und Folterung zu suchen, aufzubrechen in eine totale Ungewissheit. Haben sie mit der Xenophobie der Europäer gerechnet? Wissen sie, dass sie nicht willkommen sind? Ich höre "grossartige" Ideen bezüglich Ausschaffung der Flüchtlinge.  

 

Alle Kollegen waren für ein Burkaverbot in der Schweiz. Die Probleme des Handlings in Frankreich sind offenbar nicht bekannt. Ich fragte nach den Gründen, warum sie für ein Burkaverbot seien. Der Aufschrei: "In der Schweiz schaut man sich in die Augen". Ich frage nach: Wieviele Burkaträgerinnen hast du denn bei uns schon gesehen? " Antwort: Geh einmal nach Interlaken, da siehst du nur noch schwarz!" Ich sage: das sind doch Touristen. Wir können doch Touristen, die zu uns in die Ferien kommen, nicht vorschreiben, wie sie sich zu bekleiden haben. Dann kommt immer das allgegenwärtige Argument, das ich schon erwartet habe: "Wenn wir nach Saudiarabien gehen, dürfen wir auch nicht mit kurzen Hosen in eine Moschee.“ Der Vergleich ist hirnlos: Mit kurzen Hosen trägt man zuviel Haut zur Schau - mit einer Burka zu wenig!

Woher stammt diese Abneigung gegenüber allem Fremden? Es handelt sich um eine Urangst, genannt "Xenophobie". Ich sage immer: Die schwarzen Waldameisen begreifen nicht warum die roten rot sind und umgekehrt. Deshalb bekämpfen sie sich bis auf den Tod. Ich sagte zu meinen Bandkollegen: Ihr seid komplette Rassisten und damit ein gefundenes Fressen für unsere Populisten. Die Populisten lieben alle Xenophobisten, weil deren Ängste sich berechnen und schüren lassen. Und sie ernten damit Wählerstimmen. Xenophobie ist übrigens nicht von der Intgelligenz eines Menschen abhängig. "Der Mensch ist des Menschen Wolf!" (Titus Maccius Plautus um 254 v. Chr. Römischer Komödiant). HRJ

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