Das Déjà-vu auf der Griesalp

30.9.2016. Gestern machten Mädi und ich einen Ausflug auf die Griesalp. Bei strahlendem Wetter ging es auf der steilsten Autobusstrasse der Welt aufwärts. Wir assen zu Mittag im Bergrestaurant Golderli auf einer Terasse mit schönster Aussicht auf die Bergwelt. ca. 10 Minuten Fussmarsch pro Seite waren gerade richtig für uns. Magdalena mit Atemproblemen und ich mit Vorhofflimmern. Das Essen war vorzüglich - eine goldbraun gebratene Rösti mit gerösteter Leber an Balsamico-Sauce. Zurück bei der Busstation Griesalp kam mir das Restaurant Griesalp plötzlich sehr bekannt vor und ich hatte ein Déjà-vu:

Es ist mir in meinem Leben schon oft passiert, dass ich fremdbestimmt wurde, dass jemand meinte, er könne über mich bestimmen. In solchen Dingen bin ich sehr empfindlich. In der ersten Jazzband, der ich angehörte war ich nicht immer einig mit dem Bandleader. Ich fühlte mich da oft unwohl. Nach dem Verlust meines Jobs als CEO in Solothurn mit 54, musste mein Einkommen zu fast einem Drittel aus Musikergagen kommen. Ich konnte deshalb nicht gerade Geld verschenken. 

 

Unser Posaunist fragte uns, ob wir an der Hochzeit seines Sohnes spielen würden. Wir sagten natürlich zu. Es wurde nie über eine Gage gesprochen. Wir wussten alle nicht, ob wir an diesem Tag gratis oder für Geld spielen würden. In Reichenbach versammelte man sich bei dem Kirchlein um mit dem Postauto auf die Griesalp zu fahren, wo die Feier stattfand. Deshalb das Déjà-vu. Vor der Abfahrt drückte der Posaunist dem Bandleader 1500 Franken in die Hand mit der Bemerkung: "Ihr müsst das natürlich nicht umsonst machen". Das bedeutete eine normale Gage von 300 Franken pro Musiker. Der Bandleader sagte spontan: "Kommt gar nicht in Frage" und gab ihm 1000 Franken zurück, ohne mit uns Bandmitgliedern darüber gesprochen zu haben. Ich war perplex und nicht fähig zu intervenieren. So spielte ich bis 02.00 Uhr morgens für 100 Franken und hatte zudem noch Fahrspesen, weil ich das Bandmaterial auf die Griesalp transportieren musste. Man verstehe mich richtig. Wäre kein Geld bezahlt worden, hätte ich ohne zu murren gratis gespielt. Schliesslich handelte es sich beim Hochzeitsvater um einen Bandkollegen. Aber so bin ich eben, ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und diese Femdbestimmung über meinen Kopf hinweg war für mich äusserst ungerecht. Sie brachte das Fass zum Überlaufen. Am nächsten Morgen schrieb ich nach 9 Jahren Mitgliedschaft in dieser Band meine Kündigung.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0