Die Steueroptimierer

Man würde es nicht glauben, wenn man mich so ansieht - ich ein Steuersünder ? Doch, ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage, doch eine solche gab es Gott sei Dank nie. Ich glaube, dass jeder Mensch ein Quäntchen an krimineller Energie in sich trägt. Das sitzt tief in den Genen und begründet sich aus dem lebensnotwendigen Egoismus. Ich erinnere an die Schilderung des Verhaltens meiner Hühner, wenn es ums Fressen geht. Darum horten die Reichen ihre Vermögen im Ausland, gründen Briefkastenfirmen, suchen nach Steuerschlupflöchern und begehen Steuerhinterziehung. Die Versuchung ist gross, da die Selbständigen wie auch alle anderen Schweizerbürger das Einkommen selbst deklarieren. 

Es muss nicht immer ein grosser Fisch sein, auch die kleinen Handwerker sind wahre Meister der "Steueroptimierung", insbesondere die Ein-Mann-Betriebe. Ein Handwerker kann eine Geldeinnahme verbuchen mit Mehrwertsteuer, AHV-Abgabe und Buchhaltungsbeleg oder er kann es schlicht vergessen. Es wird cash einkassisrt und die Quitung weggeworfen. Hoffen wir, dass der Kunde kein Mitarbeiter der Steuerverwaltung mit Hang zum Perfektionismus ist, sonst hat der Handwerker Pech gehabt. Der Storenbauer sagt dem Kunden, er mache einen besonders guten Preis, wenn bar auf die Hand bezahlt würde. So auch der Schreiner, der Sanitärler etc. Aber auch die Kunden machen dem Handwerker den Schwarzhandel schmackhaft indem sie sagen: "Mach mir einen Superpreis. Ich brauche keine Quittung". Schwarz kassieren ist also für beide Seiten profitabel. Nicht abgerechntete MWST und AHV machen zusammen schon 18 Prozent unversteuert generiertes Einkommen aus.

Kleinverdiener und Arbeitnehmer mit Lohnausweis können ihr Einkommen nicht verstecken. Sie stellen somit den Teil der Bevölkerung dar, die unseren Staat am Leben erhält. Von den Reichen könnte der Staat seine Aufgaben nicht bewältigen. Das Beispiel Griechenland lässt grüssen. Die reichen Reeder haben hoch offiziell ihre Superyachten, wofür sie weder Einkommens- noch Vermögenssteuer bezahlen. Als ich mein eigenes Geschäft noch hatte, wurde meine Selbsttaxierung von den Behörden oft missachtet und das Einkommen wurde willkürlich eingeschätzt. Das erzeugte Unmut aber meistens akzeptierte ich diese Willkür, da der Aufwand, sich zu wehren unrentabel war. Einmal wurde es mir zu viel, ich erhob Einsprache. Daraufhin erfolgte eine 3-tägige Steuerprüfung in meinem Geschäft. Ich stellte dem Steuerprüfer, einem freundlichen älteren Herrn, mein Büro und meinen Schreibtisch zur Verfügung. Als er mich zu sich bat, hatte er ein Bankkonto in der Hand und fragte nach der Herkunft eines Betrages von 5000 Franken. Ein so runder Betrag - das konnte kein Klavierverkauf sein, das wusste ich sofort und er wohl auch. Mein Gerhirn raste und wie aus der Pistole geschossen kam meine Erklärung. "Aha, sagte ich: ja wissen Sie, mein Vater, wenn er uns besuchen kam, steckte er mir immer einen kleinen Betrag zu, den ich dankend annahm." Der ältere Herr verzog keine Mine und sagte: " Wie heisst Ihr Vater und wo wohnt er?" Meine Antwort: "Er ist dieses Jahr leider verstorben". 

 

Am Ende der Prüfung bat mich der Steuermann wieder ins Büro und sagte: " Ja Herr Jordi, die Prüfung hat ergeben, dass wir sie tatsächlich zu hoch eingeschätzt haben. Sie erhalten schriftlich Bescheid. Ihrer Einsprache wird stattgegeben". Er fügte lächelnd hinzu: "Wissen Sie, der Trick mit der Spende Ihres verstorbenen Vaters war sehr gut. Würde Ihr Vater noch leben, hätten Sie wohl Pech gehabt! Ich hütete mich, darauf etwas zu erwidern. 

 

Dies soll kein Kurs für Steueroptimierer werden. Aber glauben sie mir, selbst mein Zahnarzt rechnete mit mir früher direkt in den Sack ab und gewährte mir dafür 20 Prozent Rabatt. Die Behörden wissen natürlich von diesen Machenschaften und halten sich durch willkürliche Höhereinschätzungen schadlos. Das Problem ist nahezu unlösbar und ich glaube, es will gar nicht gelöst werden. Auch heute mit der staatlichen Weissgeldstrategie lässt sich weiter schwarz handeln, da das Steuergeheimnis für Inländer nach wie vor besteht. Man muss sich nicht wundern, warum die Exponenten der rechtsbürgerlichen Parteien das Inlandbankgehe-imnis sogar in der Verfassung verankert haben wollten. An vorderster Front der Initiative stand der Banker Thomas Matter der SVP. Die Initiative wurde vom Volk abgelehnt. 

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