Herr von Schloss Emmenholz

Man glaubt es nicht aber wir waren einst stolze Bewohner eines kleinen Schlosses in Zuchwil. Das kam so: Als ich meine Stelle im Asylwesen des Kantons Bern „Koordinator für Notunterkünfte“ verlor weil die Asylbewerberzahlen rückläufig waren, bewarb ich mich auf ein Inserat in der Solothurner Zeitung. Man suchte einen Geschäftsführer eines Musikgeschäftes in Solothurn. Ich bekam die Stelle auf Anhieb. Ich hatte das Klavier- und Orgelgeschäft in der damaligen Klavierfabrik Schmidt-flohr AG in Bern von Grund auf gelernt und Erfahrung über viele Jahre gesammelt. Zudem hatte ich während 12 Jahren mein eigenes Klaviergeschäft betrieben. Ein halbes Jahr pendelte ich von Bern an den neuen Arbeitsplatz. Dann hatte ich genug vom Hin- und Herreisen und dauernd auswärts essen. Bei einem Mittagessen in der Krone mit der Vermieterin unseres Verkaufslokals, fragte diese, wo ich denn wohne. Ich sagte, in Bern. Sie meinte, sie habe gerade das Schlösschen Emmenholz verkauft und der neue Besitzer, ein Bauer aus dem Kanton Zürich, habe daraus drei Wohnungen umgebaut. Sie gab mir die Adresse und nach Ladenschluss fuhr ich sofort hin. Ich traf den reichen Bauer und er versprach mir die Wohnung dank erstklassiger Referenz, aber ich müsse mich sofort entscheiden.

 

Ich telefonierte mit Madeleine, die in Zuchwil aufgewachsen war. Ich sagte: Du errätst niemals wo ich gerade bin. Sie staunte als ich sagte, an der Aare beim Schloss Emmenholz. Eine Stunde später stand sie vor mir und wir besichtigten die neu renovierte Wohnung mit zwei Turmzimmern, einem grossen Salon, Küche und einem Bad, dem man die Bezeichnung "Salle de Bain“ nicht absprechen konnte. Im Salon, das sah ich sofort, könnte man einen Flügel stellen (von diesem Ereignis später mehr). Es war ein kleines Paradies mit Ausblick auf Kornfelder und auf die Alpen. Wir sagten sofort zu und kündigten unsere Wohnung in Bern-Bümpliz. Nun waren wir wieder echte Solothurner und wohnten an erstklassiger Adresse. Es bedurfte keines Strassennamens. Die Adresse lautete einfach: „Schloss Emmenholz“ Zuchwil. So wurde ich Schlossherr. Das Schlösschen war ganz von  einem Kornfeld umgeben, darum sagte eine Nachbarin bei einem Apéro, ich könne mich nun "Lord Of Cornfield" nennen. Wir lebten dort während 8 Jahren bis leider die Filiale in Solothurn geschlossen wurde. Während dieser Zeit lernte ich schweissen und begann in der grossen "Schüür" die zum Gut gehörte, ein neues Hobby "Eisenplastik“. Mehr davon im Kapitel "Lord Of Cornfield".

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