Rechtsrutsch, AKW's und Turnschuhverbot

Das ist das Motto der National- und Ständeratswahlen 2015 in unserem Lande. Samstags und sonntags nehme ich mir frei von den Gassigängen mit Nachbar's Hund. Wenn ich mal draussen bin und mit dem Hühnermist zum Grünabfallcontainer laufe, schaut mich Joy traurig aus ihrem Garten an. Ihre Augen sagen: Warum kommst du heute nicht? Warum haben Tiere keinen Kalender, wo sie sehen können, dass gestern Samstag war und heute Sonntag ist? Morgen - morgen komme ich ja wieder, sage ich. Ich bin enttäuscht nachdem ich am TV zur Kenntnis nehmen musste, was man schon im Vorfeld der Wahlen wusste - ein Rechtsrutsch ist im Gange. Die SVP wird Sitze gewinnen und etwas über 29 % Wähleranteil verzeichnen. Die FDP wird auch etwas zulegen und zusammen werden sie im Nationalrat die Mehrheit bekommen. Unter Mithilfe von einzelnen Stimmen aus anderen Parteien werden sie dann Verbesserungen in Sozial- und Umweltbelangen Bach ab schicken können. Kleines Trostpflaster: Die SP hat auch etwas zugelegt und im Ständerat bleibt es bei den alten Verhältnissen. Aber mit den neuen Nationalratsmitgliedern Martullo und Köppel wird die Hetze gegen die Class Politique, der sie ja selbst angehören, weiter gehen. Die Schweiz wird weiter ins Abseits getrieben und das Schweizervolk weiter gespalten, was seit der Ablehnung des EWR-Vertrages 1992 begonnen hat. Arbeitnehmer, Rentner, Sozialempfänger, Arbeitslose, Asylbewerber, Ausländer, Frauen, Allein erziehende Mütter, Kranke etc. - also in einem Wort gesagt, alle sozial Schwächeren, werden es noch schwerer haben als bis anhin. Ein kleiner Trost: Einer der verquersten Vordenker der SVP, Christoph Mörgeli, hat es nicht mehr geschafft, wiedergewählt zu werden. Offenbar hat die Bevölkerung endlich gemerkt, dass er ein "Vergifter" ist. Aber das genügt nicht. Der Rechtsrutsch war vorauszusehen weil die grosse Füchtlingswelle aus Syrien, die über die Balkanroute nach Deutschland unterwegs ist, den Rechtspopulisten starken Auftrieb gibt. Die Angst vor dem Fremden und die Einstellung: Zuerst ich und dann ich - wird leider wie immer siegen.

 

Als nächstes werden wir vielleicht ein schweizerisches Gesetz bekommen, das ein Burkaverbot beschliessen wird. Wegen 4 Minaretten haben wir ja schon ein Minaretverbot, natürlich initiiert durch Exponenten der SVP. Kommt als Nächstes ein Turnschuhverbot? Besser wäre ein AKW-Verbot. Doch dagegen kämpfen genau die Kreise, die ich gerade beschrieben habe. Obwohl der Ausstieg aus der Nukleartechnologie beschlossen ist, streitet man jetzt um den Ausstiegszeitpunkt. Obwohl das AKW Beznau seit Monaten wegen Defekten stillgelegt ist, mangelt es niemanden an Strom. Obwohl man heute weiss, dass die Nuklearenergie ökonomisch in der Zukunft keine Chance mehr haben wird, möchten gewisse Kreise natürlich den Betrieb bis zum letzten Zeitpunkt ausreizen und die Schliessung hinauszögern wenn nicht gar verhindern. Wer profitiert davon, dass man die AKW's weiter betreibt?

 Obwohl die Reaktormäntel Tausende von Rissen aufweisen, obwohl man die furchtbaren Pannen von Chernobyl und Fukushima zur Kenntnis nehmen musste, wird stur weiter gewurstelt. Leider haben gerade in diesen Wahlen die Grünen, die sich am stärksten für eine Abschaltung einsetzen, massiv an Sitzen verloren - der Fukushimaeffekt, der den Grünen und den Grün-Liberalen vor 4 Jahren zum Wachstum verholfen hatte, ist verpufft. Dafür hat die extreme Flüchtlingswelle der letzten Wochen den Angst- und Hassschürern in die Hände gespielt und die Ängstlichen in die Arme der Populisten getrieben. Das Stimmvolk ist vergesslich und enorm beeinflussbar. Es lässt sich treiben wie eine Herde von Gnu's, die beim Überqueeren des Flusses Opfer der Krokodile werden.

 

Zum Schluss dieses Kapitels noch eine Anmerkung: Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Was will ich damit sagen? Menschen mit tiefem Bildungsniveau sind anfällig für Stimmenfänger. Ich habe mit einem SVP-Wähler gesprochen. Er war natürlich gar nicht begeistert von der Energiewende und vom Bundesratsbeschluss, keine neuen AKW's mehr zuzulassen. In der Diskussion stellte sich heraus, dass er keine Ahnung von der Halbwertzeit nuklearen Materials hatte und davon dass die Brennstäbe nach der Stilllegung noch tausende von Jahren Zeit brauchen um ihre tödliche Radioaktivität abzubauen. Die Vordenker der populistischen Gruppierungen wissen natürlich Bescheid. Trotzdem verkaufen sie ihrer Gefolgschaft die Nukleartechnologie als Allerheilmittel für günstigen, sicheren und sauberen Strom.

 

Ich behaupte: Wenn man alle Kosten vom Bau bis zum endgültigen Rückbau aller AKW's - So dass dort wieder Kühe auf grüner Wiese weiden können - aufaddiert und durch die Anzahl total produzierter Kilowattstunden dividiert etc. - dann..... guet Nacht am Sächsi. Das wird der absolut teuerste Strom sein, den wir je bezahlt haben. Es ist kriminell, was den Bürgern vorgegaukelt wird. Seit Jahrzehnten wird nach einem Standort für die Endlagerung des nuklearen Abfalls gesucht und zu guter letzt wird das Volk nicht bestimmen können, wo dieser hinkommt. Die Regierung wird dazu gezwungen sein, den Standort per Dekret fest zu legen. Demokratie hin oder her! Es wird Demo's und Ausschreitungen geben. Ich werde es allerdings nicht mehr erleben, obwohl ich im Sinn habe 100 Jahre alt zu werden. Der Versuchsreaktor in Würenlingen ist nun seit über 30 Jahre in der Rückbauphase. Geplant waren 25 Jahre. Die Kosten werden alle Voraussagen um ein Vielfaches überschreiten. Mein Fazit: Diese Technologie hätte man nie anwenden dürfen ohne vor Beginn für die Abfallentsorgung eine Lösung garantieren zu können. HRJ

Kommentar schreiben

Kommentare: 0